Les randonneurs nocturnes

Um 11 Uhr frühstückten wir bei strahlendem Sonnenschein und berauschendem Bergpanorama. Untermalt wurde unser morgendliches Geplampel von einem unablässigen Krähen des Dorfgockels, der offenbar nicht glaubte, dass sich mittlerweile auch die Letzten aus den Federn gerappelt hatten. Die Wespen besänftigen wir mit dem mittlerweile bewährten Gabenaltar.

Es gefiel uns so gut im grünen Lées-Athas, dass wir entschieden, eine Nachmittagswanderung zu machen und hier nochmals zu nächtigen. Das inoffizielle Platzmeisterpaar, sie mit Haarwicklern, er mit Weinflasche und am Pilzeputzen, empfahl uns eine Rundwanderung zum  Col d’Hourataté via Plateau de Pirait. Die Wanderung begann sehr steil, doch glücklicherweise führte sie durch waldiges Gebiet mit vielen verbuchsbaumzünselten Buchsbüschen. Weiter oben durchquerten wir weitläufige Farnwiesen mit Riesenhäuschrecken und überhüpften Spinnfadensperren. An mehreren Weggabelungen fehlten die Wegweiser und wir wählten ziemlich zielsicher die falsche Rute, was uns einige Ehrenrunden einbrachte und unsere Wanderung um einiges verlängerte. Auf der Hügelspitze picknickten wir umzingelt von freundlichen und äusserst neugierigen Kühen. Das warme Licht der tiefstehenden Sonne liess die Landschaft noch viel schöner erscheinen und das Lichtspiel im Laubwald war beglückend. Den Sonnenuntergang genossen wir auf Passhöhe. Froh, dass es nicht mehr so heiss war, absolvierten wir die neun Kilometer Rückweg auf einem kaum befahrenen Teerweg, mit Wanderstöcken (Adi als Gandalf und Flo als Bischof) und glücklicherweise mit Taschenlampe, denn unterwegs wurde es dunkler und dunkler. Als wir um 22 Uhr auf dem Stellplatz eintrudelten stürmten unsere Campingnachbaren erleichtert aus ihrem Womo. Sie hatten in Sorge bereits die Campingplatzbesitzer (in erster Linie eigentlich eine Bauernfamilie) alarmiert und gaben nun umgehend telefonisch entwarnung.

Das Nachtessen bei Kerzenschein wurde richtig romantisch. Wir hörten viele Waldtieren – besonders eine Eule zeigte grossen Einsatz – und betrachteten lange den Nachthimmel mit Milchstrasse und Sternschnuppen.

Jetzt sind wir müde aber glücklich. Hoffentlich haben wir morgen keinen Muskelkater.