Es rollt

Wie vereinbart, meldeten wir uns um 11 Uhr bei Jean-Claude und kurz darauf stand er bei uns auf dem Campingplatz. Mit viel Anteilnahme erfuhren wir, dass seine Mutter letzte Nacht kurz nach seinem Eintreffen gestorben war. Er meinte, er sei froh, dass er in jenem Moment bei ihr war. Dass er uns geholfen habe, sei aber auch in ihrem Sinne gewesen. Denn von ihr und seinem Vater habe er sein Handwerk gelernt und dann über Jahre mit ihnen in der Citroën Garage zusammengearbeitet.

Nach einer Viertelstunde war der Kometmotor wieder tiptop funktionstüchtig und unser Helfer verabschiedete sich mit der Bitte, wir mögen ihm doch bei unserer Ankunft zu Hause eine Karte schreiben, damit er wisse, dass alles gut gelaufen sei.

Während des Frühstücks kam ein besonders schnüsiger Besucher vorbei. Ein kleines Hündchen mit nur einem Auge holte sich vorsichtig und auf sanfte Weise bei uns eine grosse Portion Streicheleinheiten ab. Später erfuhren wir, dass der Schnüsel heute Morgen ausgesetzt worden war. Zusammen mit unseren freundlichen Nachbarn aus der Bretagne engagierten wir uns für den armen Streuner. Beinahe hätten wir ihn adoptiert. Am Schluss siegte die Vernunft und für s’Hippeli ergab es eine andere Lösung.

Glücklich, ein fahrtüchtiges Womo zu haben, rollten wir aus dem Camping. Als Erstes inspizierten wir das Dörfli, auf dessen Zeltplatz wir zwei Tage verbracht hatten. Intxassou hat eine beeindruckende Kirche. Sie ist eher dunkel und hat mehrere Balkone wie in einem Theater. Auf dem Friedhof stehen viele für die Region typische diskoidale (schlüssellochförmige) Stelen.

Dann lenkten wir den Kometen tiefer in die atlantischen Pyrenäen hinein. Die Landschaft ist wunderschön grün und wir merkten deutlich, dass wir uns im Baskenland befanden. Die für die Region typischen Häuschen haben Steine entlang der Hausecken und rote Fensterläden und Balkone. Immer wieder trafen wir auch auf Protestsprayereien der ETA und bei einem Zwischenstopp in St. Palais, wo wir feines noch warmes Brot kauften, hörten wir zu unserer Überraschung die Klänge des baskischen Nationalsports, Pelota. Tock tock tock, fasziniert beobachteten wir, wie ein Vater und sein Sohn mit einem Fänger aus Korbgeflecht Bälle gegen eine Wand schleuderten.

Unser Stellplatz für diese Nacht ist ein wunderschöner Naturcampingplatz in Lées-Athas. Ein sympathisches, älteres Ehepaar begrüsste uns freundlich und betätigte sich bereden als Informationsbüro. Die beiden verbringen seit 20 Jahren ihre Ferien an dem Ort, sind inzwischen mit den Besitzern eng befreundet und sind froh, dass kaum jemand das ruhige Plätzchen kennt. Wir sind fast alleine in diesem grünen Paradies. Die Sanitäranlagen sind rudimentär, aber sauber.

Nun liegen wir in unserem gemütlichen Bett und schwitzen vor uns hin. Die Insekteninvasion bei unserer vorherigen Lüft- und Kühlungsaktion hält uns von weiteren Versuchen ab. Da entscheiden wir uns lieber für ein Wellness-Sauna-Nacht.