La Rochelle

Früh aus den Federn (9 Uhr) und ab unter die leider recht kalte Dusche. Vier Sterne, tsü – Sterne gibt’s halt für Spielplätze, Swimming Pools, Sportangebote, usw… Sauberkeit, warmes Wasser oder Freundlichkeit scheinen keinen Einfluss zu haben.

Zum Frühstück gab’s endlich: Baguette! Dann machten wir uns um den Mittag auf den Weg nach La Rochelle – eine schlechte Idee – viele Autos und einen Navi, der uns immer wieder durch enge Gassen treibt und keinen Respekt vor Einbahnstrassen hat sind eine schlechte Kombination. Doch Adi, der Routinier, behielt die Nerven.

Als Erstes erholten wir uns an der Hafenpromenade, genossen die feine Meeresluft und betrachteten die Wellen. La Rochelle hat zwei Seiten: Beim Vieux Port und den Wehrtürmen drängen sich Touris an Touris (es wuselt), doch dringt man etwas ins Innere der Stadt vor, wird’s ruhiger. Wir kamen uns übrigens ganz heimisch vor, während wir durch die schönen „Altstadt-Lauben“ flanierten. Typisch sind die mit Schiefer bekleideten Fachwerkhäuser.

Und dann war es soweit: Adi kriegte sein Crêpe! Super.

Nach der ausgiebigen Stadtbesichtigung fuhren wir nach Port-des-Barques.

Highlight des Tages: Wir sahen beide zum ersten Mal wie stark die Auswirkungen von Ebbe und Flut sein können. Das heisst, Adi hat eigentlich bereits einschlägige Erfahrungen in diesem Gebiet gesammelt, wie man gewissen unterhaltsamen Gästebucheinträgen entnehmen kann.

Dämpfer des Tages: Wir haben beide einen Sonnenbrand aufgelesen.

Der heutige Stellplatz ist übrigens eine höchst erfreuliche Entdeckung. Sehr freundlich, saubere Klos und man darf sogar die Duschen und den Pool des angrenzenden Campingplatzes nutzen. Strom gibt es auch. Eine Ver- und Entsorgungsstelle hat es natürlich ebenfalls. Und dann auch noch nahe am Meer (ausser bei Ebbe ;-)).

Nach einem feinen Gemüse-Thai-Curry (immer noch Nennigkofer Gartengemüse) sitzen wir nun bei Kerzenschein gemütlich auf den Liegestühlen. Allerdings warm eingemummt, denn die Abende und Nächte werden doch immer recht kühl – was übrigens vermutlich erklärt, wieso wir immer die Einzigen sind, die draussen kochen und verweilen. Alle anderen verbringen die Abende in den Wohnmobilen und gehen wohl recht früh in die Koje.

PS: Danke für eure lieben Gästebucheinträge. Wir freuen uns jedesmal wie kleine Kinder.

 


Sumpf

Am Morgen erwachten wir umgeben von dickem Nebel – kein Wunder eigentlich, schliesslich ist die Region „Marais Poitevin“ ein Sumpfgebiet. Pünktlich zum Frühstück aber, strahlte die Sonne. Massenhaft trudelten Wohnmobile ein – fast „heuschreckenartig“. Wir stellten fest, dass wir ungeplant in ein Mekka-Touri-Gebiet für Franzosen gelandet sind.

Aus der früheren Meeresbucht wurde mit der Zeit eine Sumpflandschaft, welche ab dem 13. Jahrhundert von der ansässigen Bevölkerung mit Kanälen urbar gemacht wurde. Mit einem gemieteten Kanu entdeckten wir die einmalige Landschaft aus nächster Umgebung. Viele kleine und grosse Kanäle unterteilen Kuhweiden, Felder, Wälder und bewohnte Gebiete auf natürliche Weise.

Nach der gemütlichen Bootstour wurde der arme Hymer auf dem Weg nach La Rochelle durch das restliche Sumpfgebiet „gehoppelt“ (die Strassen lassen teils zu Wünschen übrig).

Zum Ersten Mal visierten wir einen Camping an, insbesondere da wir Strom für unsere diversen Akkus brauchten und auch einer Dusche nicht ablehnend gegenüber standen. Doch in La Rochelle – „COMPLET“. So fuhren wir noch ein Stück weiter bis kurz vor Angoulins ein vier Sterne Camping noch Platz hatte.

Vor lauter Camping-Suche und Carrefour-Einkauf haben wir den Atlantik noch gar nicht richtig begrüsst. Dies werden wir aber bald nachholen – die Luftmatratzen sind jedenfalls schon gekauft.

 


Wir sind im Osten

Zum Zmorgen gab’s Toast aus der Pfanne, da wir den Toaster in Bern stehen liessen. Fein und knusprig war es trotzdem.

Es gibt sie tatsächlich, die Franzosen mit Baguette und Zeitung unter dem Arm und einem Berèt auf dem Kopf. Auf dem Weg nach Chauvigny sind wir gleich mehreren solchen „typischen“ Exemplaren begegnet! In der alten Festungsstadt beschlenderten wir die Stiftskirche St. Pierre und betrachteten verschiedene Burgruinen (die Museen waren alle geschlossen).

Da Flo offensichtlich Bandwürmer zu haben scheint (und grantig wird, wenn es nichts zu essen gibt), zauberten wir auf dem Chauvigny-Parkplatz einen vorzüglichen Salat mit Feta und Toast-Croûtons.

Gestärkt „hotterten“ wir nach Saint-Savin. Die dortige Abtei birgt beeindruckende Wandmalereien, welche 1983 als UNESCO Weltkulturerbe anerkannt wurden. Zu spät erkannten wir, dass die Besichtigung nichts gekostet hätte. Bezahlt hatten wir einzig den Zugang zum Museumsbereich (Selbstkontrolle) in den alten Mönchszellen, welcher uns nicht vollends überzeugte: Viele interaktive Knöpfe, die nicht funktionierten; eine Videoshow ohne Bild; schlechte Beschilderung – wir landeten mitten in Büroräumlichkeiten.

Schliesslich platzierten wir den Hymer auf einem Sechs-Euro-Stellplatz in der Nähe von Coulon. Zum Znacht kochten wir uns Tortillas mit viel Gemüse und Hackfleisch. Es wurde zwar etwas kühl, doch genossen wir den späten Abend trotzdem im Freien und zählten Sternschnuppen.


Volle Fahrt voraus

Durch den Regen in die Sonne gings heute in Richtung Atlantik. Nun sind wir auf einem gratis beinahe Camping zwischen Limoges und Poitiers. Umgeben von vielen anderen Wohnmobilen unter einem grossen Baum.

Heute haben wir es endlich geschafft, unsere Kleider einzuräumen. Ansonsten haben wir viel Musik gehört, die Landschaften betrachtet und Adi hat seinen Bleifuss trainiert. Besonders auffällig war die grosse Anzahl weisser Kühe, die ein Markenzeichen der durchkreuzten Region zu sein scheinen.

Auch unterwegs verzichteten wir nicht auf kulinarische Genüsse, und haben das feine Nennigkofen-Gemüse zu einer schmackhaften Sauce verarbeitet. Unser Teigwarengericht hat uns von den Nachbarn (Brummifahrer) auf der „Aire“ einige neidische Blicke eingebracht.

Auch wenn grösstenteils auf der Autobahn, geniessen wir bereits unsere Ferien in vollen Zügen. Nur Flo wird immer wieder von der Jugendarbeit eingeholt. Wenn auch nützlich, so können die modernen Kommunikationsmittel manchmal auch ein Fluch sein.

Jetzt heisst es schlafen – morgen haben wir noch etwa zwei bis drei Stunden bis an den Atlantik, doch werden wir unterwegs bestimmt noch ein, zwei Besichtigungsstopps einlegen.