Felskante und Auenland

Der Wecker klingelte um sieben Uhr, aus dem Bett gerollt haben wir uns erst um halb Neun. Und da wir uns gestern davor gedrückt hatten (ja eine Abwaschmaschine wäre wirklich toll, solarbetrieben), mussten wir heute nach dem Frühstück einen riesen Berg Geschirr abwaschen.

Nach diesem fulminanten Einstieg in den Tag kurvten wir mit dem sauberen und frischen (Wasser, WC, etc.) Camper durch Ste-Marie-de-Campan, ein kleines Städtchen in dem fast in jeder Ecke lebensgrosse Strohpuppen aufgestellt sind. Dies hat mit einer alten Hochzeitstradition zu tun. Übrigens trafen wir nicht das erste Mal auf solche Figuren.

Bei der Fahrt über den Col du Tourmalet (Adi kannte schon fast jede Stelle auswendig), konnte Flo sich ein Bild von Adis gestriger Kraxelpartie machen. Die kurvige Strasse führte uns vorbei an Kühen, Eseln, Lamas und vor allem viiielen Velofahrern. Unter anderem einem Mann in einem Schweizertrikot, den wir natürlich mit „Hopp Hopp“ anfeuerten.

Auch wir sollten später noch kräftig ins Schwitzen kommen, denn für heute war eine Wanderung mit dem Ziel „Cirque de Gavarnie“ geplant. Und zwar nicht etwa auf dem leichten Tourismuspfad, nein, wir hatten uns für einen alternative Rundwanderung abseits des Tumults entschieden.

Laut unserem Wanderführer startete unsere Route mit einem angenehmen Serpentinenaufstieg durch Blumenwiesen von 1’200 auf 1’700 MüM. „Angenehm“ ist ein relativer Begriff, wie wir atemlos anerkennen mussten. Es war seeehr steil und teilweise mussten wir über felsige Steine klettern. Blumenwiesen hatte es spährlich, oder wir waren zu beschäftigt mit Schwitzen.

Doch der Aufstieg lohnte sich. Der weitere Weg war wunderschön und führte entlang von Felswänden, kleinen Felshöhlen, kühlenden „Wassertropffällen“, durch Nadelwälder, über Bäche und schliesslich erreichten wir den Cirque de Gavarnie. Eine schroffe Felswand, sozusagen „Creux du vent“ XXL, mit einem Wasserfall mit laut Infotafel grösster Falltiefe Europas. Wau!

Der Rückweg führte uns durch eine Märchenwelt auf schönen schmalen Erdwegen, genau wie Adi sie liebt. Wir passierten einen eiskalten, türkisblauen Bergbach, durchquerten wunderschöne Mischwälder, sahen eine grosse Zahl Findlinge und durchschritten eine Bachauenlandschaft mit vielen Blumen. Traumhaft – man konnte die Feen förmlich spüren. Diese versteckten sich leider, dafür hoppelte ein Hase über den Weg und wir kreuzten eine Herde frei durch den Wald laufender Pferde.

Beim Schreiben dieses Tagebucheintrages müssen wir ganz leise sein, denn alle anderen auf dem Stellplatz liegen bereits in den Federn. Wie jeden Abend! Offenbar haben wir keinen normalen Camperrhythmus. Dafür geniessen wir die helle Vollmondnacht.