Mit einem langen Frühstück und einem langen Duschspass in den geräumigen Sanitäranlagen zögerten wir den Moment der Wahrheit so lange wie möglich hinaus. Dann wagte Adi den Griff zum Zündschlüssel. Doch nichts tat sich und so mussten wir den Citroën Garagisten um Hilfe bitten. Über uns kreiste eine grosse Zahl an Geiern (wörtlich, nicht symbolisch) und wir hofften inständig, dass dies nicht als schlechtes Omen für den Kometen zu verstehen war.
Unsere Wartezeit verkürzten wir mit dem Abwasch der letzten drei Tage, mit anregenden Fachsimpeleien mit der Campingnachbarschaft und Rumgeplampe in den Liegestühlen. Eine Bande frecher Spatzen suchte uns regelmässig heim und erbettelte in erfahrener Manier so manche Brotkrumen. Die gesünderen Happen wurden verschmäht.
Unser Retter Jean-Claude erschien nach Feierabend. Er prüfte den Dieselfilter und den Tank, konnte da aber kein Problem entdecken. Schliesslich fand er den Fehler. Der Übeltäter war ein kleines, gelbes Kabel mit Wackelkontakt. Dieses ist für die Deaktivierung der Dieselzufuhr zuständig.
Jean-Claude fixierte das lose Kabel, konnte dann aber seine Arbeit am Motor nicht abschliessen, da er einen dringenden Anruf seiner Schwester erhielt. Seine Mutter war sehr krank und lag im Sterben. Dies bewegte ihn verständlichicherweise sehr stark und er war sichtlich aufgelöst und etwas durcheinander. Einerseits wollte er seine Reparaturarbeit beenden, andererseits wollte er seine Mutter aufsuchen. Schliesslich mussten wir ihn fast „vertreiben“. Wir blieben mit schwerem Herzen zurück – es tat uns Leid, dass wir diesen lieben Mann in dieser schweren Zeit so stark beansprucht hatten.
Zum Nachtessen kamen wir an diesem Abend nicht mehr, denn wir kriegten überraschenden Besuch. Ein Lysser/Winterthurer Rettungssanitäter und passionierter Gleitschirmflieger kam vorbei. Es wurde ein gemütlicher und etwas berauschender (leere Bäuche) Abend mit lokalem Bier und später noch Appenzeller.
Jetzt heisst es Pfuse. Wie und wann es morgen weitergeht ist noch unklar.


