Auf unseren zweirädrigen Fiakerln strampelten wir heute fast 70 Kilometer bei brütender Hitze! Die Strecke ist nun nicht mehr so gut ausgebaut. Besonderen Eindruck hinterliess der FKK Strand, welchen wir ganze 4 Kilometer mit Tunnelblick durchfahren mussten. Zum Schluss nahmen wir gar einen Treppenaufstieg in Kauf um wegzukommen.
Zum Zmittag gabs die Schnitzelresten von gestern in Sandwichform, doch dies mussten wir uns erst verdienen. Auf einem Damm radelten wir auf einem unendlich schnurgeraden Weg und suchten verzweifelt nach Schatten.
Als letzte österreichische Stadt schauten wir uns Hainburg genauer an. Dort gibts ein Tor, welches bereits im Nibelungenlied „alt“ genannt wurde. Und eine Blutgasse, in welcher einst bei einem Angriff der Türken fast die gesamte Stadtbevölkerung umkam, weil das Tor geschlossen war. Überlebt haben nur 100, darunter Thomas Haydn, der Grossvater des uns allen wohlbekannten Musikers.
Kurz darauf „marschierten“ wir in der Slowakei ein und begannen, einen Ort zum Schlafen in Bratislava zu suchen. Da alles etwas schwierig wird, wenn man die Sprache nicht kann, kamen wir in Kontakt mit anderen suchenden Touris aus Spanien, Italien, Deutschland, Frankreich und Kanada.
Als wir die Übernachtungsstelle bezogen, wurde uns bewusst, wieviel 70 Kilometer ausmachen können. Die Aufnahme in die – nennen wir es Jugendherberge – gestaltete sich als sehr bürokratisch. Der Receptionistin war kein Lächeln abzuringen. Freundlicher war ihre (wahrscheinlich) Enkelin, welche zu unserer Erleichterug auch englisch konnte. Unsere Namen wurden von Hand in ein dickes Lederbuch eingetragen und im Hintergrund ratterte eine Schreibmaschine! Nun merkten wir, dass hier nicht mit Euros bezahlt werden kann. So hob Flo auf einen Streich ganze 4000 SK ab.
Unsere Zelle befindet sich in einem Irrgarten aus Gängen, Zimmern und Türen. Flo landete auf der verzweifelten Suche nach einem Duschraum für Frauen in verschiedenen Besenkammern und nicht gebrauchten Küchen.
Wir nehmen es mit Humor und geniessen den Abend in der schönen und gepflegten, ja cleanen, Hauptstadt. Dort assen wir endlich (Flo wollte schon lange) Palacinsky, d.h. Palatschinken auf österreichisch.
So, der heutige Eintrag ist ziemlich lang geworden. Zugegebenermassen zögern wir die Rückkehr ins „Irrhaus“ hinaus. Nun erwartet uns das harte Bett mit Sofabezug. Zum Glück haben wir eine Taschenlampe, denn auf dem WC funktioniert das Licht nicht. Gute Nacht.
PS: Adi hat leider das Hundertwasser Tischi nicht mehr finden können.