Heute Morgen um 7 Uhr wurden wir von einer fröhlichen Horde Kinder geweckt. Als wir uns dann um halb Zehn aufrappelten, stellten wir fest, dass wir bei einem Sportzentrum genächtigt hatten. Während des Frühstücks beobachteten wir Joggerfamilien und Adi beäugte die vielen Rennvelofahrer. Für ihn das klare Zeichen: Wir sind in den Pyrenäen angekommen. Ein weiterer Hinweis darauf sind die grüssfreudigen Camperfahrenden.
Nach dem Hafenstädtchen St-Jean-de-Luz genossen wir von einer Klippe den Blick über den weiten Atlantik und auf Felsformationen mit vielen, deutlich erkennbaren Sedimentschichten.
Von den Temperaturen her war heute alles dabei. Zunächst war es windig und pulloverkalt, dann wurde es miniröckliheiss.
Einen zweiten Stopp legten wir beim Château Antoine Abbadia ein. Eigentlich waren wir nur auf der Suche nach schattigen Parkplätzen, diese waren aber den BesucherInnen des Schlosses vorbehalten, und so wurden wir kurzerhand zu solchen. Es hat sich gelohnt! Das Schloss aus dem 19. Jahrhundert war mit äthiopischen und arabischen Stilelementen eingerichtet. Der Besitzer machte viele Forschungsreisen und war generell ein Mann der Wissenschaften. So hatte es eine umfangreiche Bibliothek und ein Observatorium. Besonders unterhaltsam waren die vielen Weisheitssprüche, welche die Wände, Kamine, Decken und Möbel schmückten. Die Tierskulpturen an der Fassade erinnerten uns an die Sagrada Familia in Barcelona (sogar so eine Art Roxi mit einer Maus zwischen den Pfoten war zu entdecken).
Der im Anschluss an die Besichtigung geplante kurze Spaziergang ans Meer, entwickelte sich zu einer mittelgrossen Wanderung (in Sandalen). Wir marschierten auf einer Klippe durch Wäldli, die an einen tropischen Regenwald erinnerten, vorbei an Feldern und am Schluss über schmale Wege umgeben von Brombeerbüschen. Es ist wunderschön, wie grün die Landschaft bis nahe ans Meer ist.
À propos nahe ans Meer. Ein mutiger Abstieg brachte uns an einen schönen, steinigen Strand. Das anfängliche Beinbad war so angenehm, dass sich Flo kurzerhand in den Unterhosen in die Wellen setzte. Adi, die Landratte, betrachtete das Ganze belustigt.
Dann verabschiedeten wir uns vom Atlantik und steuerten den Kometen in die Pyrenäen hinein. Jetzt stehen wir auf einem Stellplatz in Espelette und alle um uns herum schlafen schon wieder. Wir aber speisten wie die Könige: Wildreis mit einer köstlichen Gemüsepfanne an Zitronensaft und mit Nennigkofer-Chili und Feta-Würfelchen und lassen den Abend bei Kerzenschein ausklingen.



